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Von Straßen und Brücken in Dessau-Roßlau

15.12.2005 Vor einigen Tagen berichteten die Medien über das traditionelle Rodlebener Wirtschaftsgespräch. Dort wurde beklagt, dass die Stadt Roßlau bis heute nicht über eine Ostumgehung der B 184 verfügt, was sich negativ auf den Wirtschaftsstandort auswirkt. Der anwesende Bau- und Verkehrsminister Daehre machte keine Hoffnung auf einen baldigen Bau, da für dieses Teilstück weder eine Planfeststellung vorliege noch eine Finanzierung in Aussicht steht. Zuständig dafür ist der dem Verkehrsministerium nachgeordnete Landesbetrieb Bau, in dessen Baulast die Bundesstraße innerhalb der Ortslage von Roßlau noch liegt.

Dem letzten Amtsblatt der Stadt Dessau war zu entnehmen, dass die Planfeststellung für den Ausbau der B 184 zwischen Dessau und Roßlau nun endgültig fertiggestellt ist. Dies ist gut so, denn nun können die sieben vorhandenen maroden Brückenbauwerke und die angrenzenden 2,4 Straßenkilometer erneuert werden. Die Landestraßenbauverwaltung hat es hier offensichtlich besonders gut mit der Region gemeint: Statt sieben werden gleich vierzehn Brücken gebaut, da man die Strecke zwischen Dessau und Roßlau als vierspurige kreuzungsfreie Schnellstraße mit den entsprechenden Auf- und Abfahrten ins angrenzende Niemandsland bauen will. Begründet wird dieser Ausbaustandard mit der Notwendigkeit, dass künftig statt 15.000 Fahrzeugen pro Tag bald 25.000 Fahrzeuge die Straße nutzen werden. Außerdem gäbe es zwischen beiden Städten einen regen Verkehr von langsam fahrenden Fahrzeugen, so dass eine dreistreifige Ausbauvariante wie bei dem gerade fertiggestellten Teilstück der B 185 zwischen Dessau und Mildensee nicht möglich sei. Dies hatten Bürger gefordert, die sich am Planfeststellungsverfahren beteiligt haben. Leider hat die Planfeststellungsbehörde beim Landesverwaltungsamt auch die Bedenken von Verbänden gegen die überzogenen Prognoseannahmen zur künftigen Verkehrsbelastung nicht fachlich hinterfragt. Angesichts der rückläufigen Einwohnerprognosen für alle Landkreise der Region wäre dies jedoch zwingend notwendig gewesen. Beim Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren machte der Begriff der Steuerverschwendung die Runde, was von den zuständigen Mitarbeitern des Landesbetriebes brüsk zurückgewiesen wurde. Ich denke, dass dieser Straßenabschnitt gute Chancen hat, im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler eine herausragende Position einzunehmen.

Auch in Dessau gibt es viele Straßen und Brücken, deren Zustand verbesserungsbedürftig bis kritisch ist. Unter anderen ist die Brücke des Friedens über die Mulde an der Stadteinfahrt Ost betroffen, wo bereits heute vorhandene Schäden die Befahrbarkeit der Brücke einschränken. Ein Gutachten sagt aus, dass eine Sanierung in den nächsten fünf bis sechs Jahren erfolgen muss, damit es nicht zu einem Totalausfall der Brücke kommt. Die Stadtverwaltung der Stadt Dessau schlägt nun vor, das Geld für eine während der Bauzeit benötigte Behelfsbrücke „einzusparen“ und statt dessen gleich die zusätzliche zweite Muldebrücke mit Anschluss an das Stadtgebiet Nord zu errichten. Dazu benötigt und hofft man auf öffentliche Förderung in Größenordnungen, obwohl es sich bei der favorisierten zweiten Muldebrücke nebst weiterführender Ostrandstraße um eine innerörtliche Erschließung handelt, die nicht nach dem GemeindeVerkehrsFinanzierungsGesetz (GVFG) förderfähig ist. Offensichtlich hat man vom Straßenbaubetrieb gelernt, dass zwei Brücken besser sind als eine Brücke und das Geld der Steuerzahler dafür auch irgendwie bereitgestellt wird.

Am 1. Juli 2007 wird die fusionierte Stadt Dessau-Roßlau entstehen. Dann sind sicherlich auch Prioritäten im Straßenneubau und im Straßenunterhalt neu zu definieren. Wir denken, dass sich die Probleme des Hauptstraßennetzes der fusionierten Stadt schwerpunktmäßig im Roßlauer Teil befinden werden, dessen Straßen vom Landesbetrieb Bau bisher eher stiefmütterlich behandelt wurden. Denn auch hier gibt es im Zuge der jetzigen B 184 beispielsweise eine Brücke über die Eisenbahn, die den heutigen Ansprüchen und Belastungen nicht mehr genügt. Und mit der oben angesprochenen fehlenden Ortsumgehung schließt sich der Kreis. Wir meinen allerdings, dass man mit dem neuen, gemeinsamen Nachdenken nicht unbedingt bis zum Fusionstermin warten muss.

Dr. Holger Schmidt

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