Wir für Dessau-Roßlau
11.03.2008 Im März 2005 haben die Bürgerinnen und Bürger in Dessau in einer Bürgeranhörung und in Roßlau in einem Bürgerentscheid über die Fusion der beiden Städte zur Doppelstadt „Dessau-Roßlau” abgestimmt. Hauptargument der Befürworter der Fusion war die Chance, durch einen Zusammenschluss der Städte den Status als kreisfreies Oberzentrum zu verteidigen. Die Groteske, dass eine grundlegende Frage der Landesentwicklung wie der Status eines Oberzentrums von einem Bürgerentscheid abhängig gemacht wurde, muss an dieser Stelle nicht mehr ausgeführt werden. Die Dessauer und Roßlauer hatten sich der Herausforderung der Landesregierung gestellt und mit Bravour gemeistert. Im Zusammenhang mit der Fusion wurden insbesondere von Dessauer Seite immer wieder eine Gleichberechtigung der beiden Stadtteile und ein Wirken auf gleicher Augenhöhe versprochen. Ich denke es ist unstrittig, dass der Name Dessau-Roßlau für viele Roßlauer ein wesentliches Argument war, für die Fusion zu stimmen. Wenn nun von Seiten der Linken versucht wird, den Namen Dessau-Roßlau durch Bauhausstadt Dessau zu ersetzen, ist das ein klarer Wortbruch der Linken. Seit ihrem Neujahrsempfang, der unter dem Motto „Guten Morgen, Bauhausstadt Dessau” stand, sammelt die Linkspartei Unterschriften für ein Projekt Bauhausstadt Dessau. Diese Listen sorgen für viel Unruhe insbesondere im Roßlauer Stadtgebiet. Einer Instrumentalisierung des Bauhauses in der von der Linken gewählten Form ist eine eindeutige Absage zu erteilen.
Grundsätzlich ist es richtig, sich über die Bedeutung des Bauhauses in der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft, über seine Würdigung in unserer Stadt Dessau-Roßlau Gedanken zu machen. Der Anspruch „Bauhausstadt” kann jedoch nicht durch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus der Vergangenheit bzw. durch unbewiesene Postulate an die Zukunft ersetzt werden. Hier ist eine gehörige Portion Arbeit notwendig, damit die Bauhausstadt nicht zum Potjomkinschen Dorf, einem Marketingartikel ohne Basis wird. Wir müssen zunächst über Inhalte sprechen und nicht über den Namen!
Denken wir z.B. an den Zustand der Ferdinand-von-Schill-Straße mit ihrer sehr heterogenen Bebauung, den Zustand des Schlossplatzes im Vergleich zur historischen Situation, viele gesichts- und geschichtslose Gebäude aus der Zeit vor und nach der Wende. Bauhausstadt hat etwas mit Stadtqualität zu tun, hier ist Dessau gerade erst am Anfang eines sehr langen Weges. Wir müssen uns verständigen, bei allen Bauvorhaben architektonische Wettbewerbe durchzuführen, um die beste Architektur und die höchste Gestaltqualität in die Stadt zu holen. So hat es seit der Wende die Stadt Chemnitz erfolgreich getan, die mittlerweile mit dem Slogan „Stadt der Moderne” zu werben beginnt. Wer die Innenstadt von Chemnitz noch aus DDR-Zeiten kennt und die Stadt heute besucht, wird über die gravierenden baulichen Veränderungen und über die erreichte architektonische Qualität erstaunt sein.
Aber auch bei kleineren Dingen könnten wir ansetzen: Die Findung des neuen Stadtlogos für Dessau-Roßlau wird unter den Designern als 100%iger Flop gewertet.
Es handelt sich bei der Bauhausstadt folglich um ein längerfristiges Projekt, das kontinuierlich, mit Stringenz und Beharrlichkeit zu verfolgen ist. Ein solcher Gedanke muss zunächst in der Stadt ankommen und verfestigt werden. Insofern sollten wir versuchen, die Idee der Bauhausstadt bei allen unseren künftigen stadtentwicklungspolitischen Entscheidungen immer wieder zu berücksichtigen. Etwa wenn die Nordumgehung und die zweite Muldebrücke den Welterbestatus ins Wanken bringen, wenn in einer Fußgängerzone Stellplätze entstehen sollen usw. Das Thema Bauhausstadt bedarf aus meiner Sicht vor allem Besonnenheit und kontinuierlicher Arbeit. Sporadischer Aktionismus hilft uns da nicht weiter. Unsere Fraktion wird im Zusammenspiel mit den anderen politischen Kräften, der Verwaltung und den Bürgern und Bürgerinnen unserer Stadt und insbesondere mit manchem Blick über den Tellerrand daran arbeiten, eine Heimatstadt zu entwickeln, die das Etikett Bauhausstadt durch den Inhalt rechtfertigt.
Dr. Holger Schmidt
Weitere Informationen auf buergerliste-gruene.de:
